08.02.2021
Digital Energy Conference | News: Bundestagswahl 2021: Energie
 
 

Bundestagswahl 2021: Energie

Wo wir stehen & was wir wollen

Die Digitalisierung der Energiewende kommt während der nächsten Legislaturperiode an einen entscheidenden Punkt: Der Smart-Meter-Rollout hat Anfang 2020 begonnen, die Rahmensetzung zur Integration erneuerbarer Energien kommt voran. Gleichzeitig zeigt sich beim Ausbau privater Ladeinfrastruktur oder bei der Integration von PV-Anlagen nach dem Auslaufen der EEG-Förderung, wie wichtig ein kostengünstiger, sicherer und unkomplizierter Datenaustausch für das Entstehen von Marktlösungen ist. Die digitale Infrastruktur ist zwingende Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Warum? Sonne und Wind sind das Rückgrat der künftigen Energieversorgung – eine völlige Umkehr der früheren Situation. Besondere Bedeutung kommt dabei der Industrie zu: Sie steht nicht nur für 45 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, sondern kann sich dank eines intelligenten Lastenmanagements auch flexibel dem schwankenden Stromangebot anpassen.

Intelligente Energie- und Stromversorgung bringt dabei auch zahlreiche neue Anforderungen mit sich: Ließ sich der private Verbrauch bisher sehr gut über Erfahrungswerte bestimmen, funktioniert das bei größeren Prosumern nicht mehr. Zudem wird es mit zunehmender Zahl von Elektroautos unabdingbar, dass der Netzbetreiber auch Informationen über den momentanen und den beabsichtigten Verbrauch erhält. Gleiches gilt bei der Einspeisung an einem konkreten Anschluss. Verstärkt wird der Handlungsdruck noch dadurch, dass die Sektorkopplung nun auch im Wärmebereich vorankommt.

 

Handlungsempfehlungen für die neue Legislaturperiode

 

Energieeffizienz durch Digitalisierung steigern

Die Energiewende ist ohne Steigerung der Energieeffizienz nicht machbar. Energieeffizienz ist dabei durchgehend als sektorenübergreifendes Querschnittsthema zu begreifen. Die Digitalisierung nimmt bei der Identifizierung und Realisierung von Energieeffizienzpotenzialen eine Schlüsselposition ein. Daher sollten zeitlich begrenzte, technologieoffene sowie degressiv ausgestaltete Anreizmechanismen zur Förderung von Digitalisierungsmaßnahmen eingeführt werden. Damit Effizienzverbesserungen nachhaltig sind, muss vor allem die Möglichkeit zum Einsatz der Datenanalyse gestärkt werden: Der Stand der Technik erlaubt heute schon eine kontinuierliche Überwachung von Anlagen um Fehlfunktionen bereits in den Ansätzen zu erkennen und teilweise gar nicht erst auftreten zu lassen.  So können zusätzlich weitere Effizienzpotenziale identifiziert und gehoben werden. Nicht zuletzt lassen sich auch die für die Sektorkopplung wichtige verbraucherseitigen Flexibilitätspotenziale ermittelten und nutzen. Diese Aspekte sollte eine Anreizregulierung ebenfalls berücksichtigen.

 

Verteilnetzbetreiber bei der Erschließung des Flexibilitätspotenzials unterstützen

Der politische Fokus muss sich von der Energieerzeugung auf die Verbrauchsseite verlagern. Die bisherige Anreizregulierung setzt bei Verteilnetzbetreibern nach wie vor einen stärkeren Anreiz für kapitalintensive Investitionen (CAPEX). Diese können aber durch Smart-Grid-Technologien – z.B. in den Bereichen Lastmanagement, Einspeisemanagement, Flexibilitätsnutzung – durch viel geringere Betriebskosten (OPEX) reduziert werden. Eine Anerkennung der OPEX in der Anreizregulierung ist daher dringend geboten, damit auch kosteneffiziente, innovative Lösungen eingesetzt werden. Nicht zuletzt wird so auch die Verbrauchsseite durch freiwillige Anlagensteuerung und industrielles Lastmanagement gestärkt.

 

Stärkere Anreize für freiwilligen Smart-Meter-Gateway-Rollout setzen

Um den Rollout von Smart-Meter-Gateways (SMGW) weiter zu beschleunigen, sind zusätzliche Anreize für den freiwilligen Einbau von SMGW zu schaffen. Eine große Hürde besteht in den Kosten für die „Erschließung“ des Kellers, also die Versorgung mit Mobilfunk oder Glasfaser. Förderprogramme zur Gebäudesanierung oder für den Breitbandanschluss sollten daher für die SMGW-Vorbereitung geöffnet werden, d.h. insbesondere die Sanierung der Hausübergabe-/Zählerschränke und der WAN-Anbindung einschließen. Wir wünschen uns ein noch klareres Signal in die Branche, dass die verfügbaren Endgeräte über einen klar definierten Zeitraum alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Entscheidend ist auch, dass die Nutzung des CLS-Kanals als Anker einer sicheren Kommunikation in unterschiedlichsten Anwendungsfällen möglich bleibt und Dritten wie z.B. Direktvermarktern zur Verfügung gestellt wird. Weitere Beispiele für unterstützende Rahmenbedingungen sind eine Verschlankung der Vorgaben der sicheren Lieferkette oder eine Öffnung für die Wiederverwendung von SMGW. Richtschnur bei der Pflichtanwendung muss immer sein, ob die Anwendung Teil einer kritischen Infrastruktur ist oder besondere Anforderungen an die Datensicherheit vorliegen. In den übrigen Fällen muss sich das SMGW als Kommunikationskanal im Wettbewerb behaupten.